Laryngektomie / Kehlkopfentfernung

Von Michelle Zimmermann (Logopädin)

Was ist das?

Bei einer Laryngektomie (kurz LAREK) entfallen die Funktionen der Nase und des Kehlkopfes. Die Funktionen der Nase dienen zum einen als Atemweg und zum anderen dem Anwärmen, Anfeuchten, Filter, Reinigen, Riechen, Schmecken, sowie dem Schutz. Die Funktionen des Kehlkopfes dienen als Luftweg/Atemweg, als Schutz vor einer Aspiration (dem Eindringen von flüssigen oder festen Stoffen in den Atemweg während der Einatmung), für eine Trennung von Atem/-und Speiseweg, aber auch als Stützfunktion und Stimmfunktion.

Was sind Ursachen für eine Laryngektomie

Die Ursachen für eine Laryngektomie ist in den meisten Fällen ein fortgeschrittenes Larynxkarzinom (Kehlkopfkrebs) oder ein Hypopharynxkarzinom (Schlundrachenkrebs). Eine Laryngektomie wird durchgeführt, wenn der Tumor für eine Strahlen- oder Chemotherapie bereits zu groß ist oder auf Nachbarorgane übergegriffen hat.

Was sind die Folgen?

Der Patient erhält zunächst eine Tracheotomie. Eine Tracheotomie ist ein operativer Eingriff am Hals durchgeführt wird, um das Tracheostoma anzulegen. Im weiteren Verlauf werden die Folgen im Detail erklärt:

  • Stimmverlust und Sprechbeeinträchtigung (Folge davon: zunächst ist keine Stimmgebung möglich-sprachlos)
  • Einatmung erfolgt über Tracheostoma, da die Nasenfunktion entfällt (Folgen davon: Die Luft kommt kälter in den Bronchien und Lungen an, die Nasenschleimhaut droht auszutrocknen, Geruchssinn und Schmecken sind eingeschränkt)
  • Beeinträchtigung der Nahrungsaufnahme (Folge davon: vorerst Nasensonde, nach 14 Tagen und bei gutem Verlauf wieder Normalkost oder bei schlechtem Verlauf kann es zum Anlegen einer Magensonde führen)
  • Radiologisch bedingte Veränderungen (durch Bestrahlung)
  • Schädigung durch Chemotherapie

Wie kommuniziert ein Patient?

Es gibt zwei Methoden, wie der Patient unmittelbar nach einer OP kommuniziert:

Zum einen ist das die Pseudoflüsterstimme (1) und zum anderen eine nonverbale Kommunikation (2).


Die Pseudoflüsterstimme erfolgt ohne Lungenluft und auch ohne Stimme (Flüstern). Diese ist sehr leise, kann nur bei einer deutlichen Artikulation verstanden werden und der Gesprächspartner muss dem Gespräch aufmerksam zuhören.
Eine nonverbale Kommunikation meint mit Mimik und Gestik zu arbeiten. Gegebenenfalls über eine Schreibtafel oder einem Papier mit Stift zu kommunizieren.

Wie sieht die Behandlung aus?

Der Patient begibt sich unmittelbar nach einer Operation in eine Rehabilitationsklinik, in der umgehend logopädische, ergotherapeutische, physiotherapeutische und psychische Behandlungen erlernt. Nach Abschluss einer Reha erfolgt eine Weiterbehandlung. Dazu empfehlen wir, sich zusätzlich einer Selbsthilfegruppe für Kehlkopflose anzuschließen. Dabei berichten Betroffene über ihre Krankheit und die Patienten fühlen sich verstanden. Zudem kann man sich Ratschläge und Tipps geben lassen.

Bei der postoperativen Beratung werden dem Patienten drei Varianten erklärt (siehe Tabelle). 

Ersatzstimme Vorteile Nachteile
Sprechen mit dem Elektrolarynx
  • relativ schnell erlernbar (eventuell ist schon kurz nach OP eine Kommunikation möglich)
  • nicht anstrengend
  • relativ schnelles Sprechen möglich
  • keine körpereigene Stimme
  • Patient ist von technischem Gerät abhängig
  • Stimme klingt computerhaft
  • beim Sprechen ist immer eine Hand besetzt, da das Gerät im Gesicht- oder Halsbereich angehalten werden muss
Sprechen mit der Ösophagus-Ersatzstimme ohne Shuntventil (mittels Ructus=Rülps)
  • körpereigene Ersatzstimme
  • beim Sprechen beide Hände frei
  • relativ gut verständlich
  • keine gesundheitlichen Risiken
  • keine zusätzlichen technischen Geräte
  • schwer erlernbar (Dauer: Wochen/ Monate)
  • verkürztes Sprechen
  • geringe Lautstärke
Sprechen mit der Ösophagus-Ersatzstimme mit Shuntventil
  • körpereigene Ersatzstimme
  • schnelle erlernbar
  • lauteres Sprechen möglich
  • Fremdkörper zwischen Luft/ -und Speiseröhre
  • Ventilklappe kann durch Nahrungsmittel verstopfen, kann undicht sein
  • beim Sprechen muss immer die Halsöffnung (Tracheostoma) verschlossen werden (verschlossen mit Tracheostomaventil)
  • größere psychische Belastung