Dysgrammatismus bei Kindern

Dysgrammatismus bei Kindern

Inhaltsverzeichnis

Von Dysgrammatismus spricht man dann, wenn die Betroffenen Probleme damit haben, grammatikalisch korrekte Wortformen und Sätze zu bilden. Ein kindlicher Dysgrammatismus liegt dann vor, wenn Kinder davon betroffen sind. Auch Erwachsene können von Dysgrammatismus betroffen sein, beispielsweise nach einem Schlaganfall, bei dem das Sprachzentrum des Gehirns beschädigt wurde.

Sprach-Quiz

Spricht mein Kind altersgerecht?

Button Link

Online Termin

Persönlicher Beratungstermin zur Sprachentwicklung

Button Link

Grammatik – was ist das eigentlich?

Die Grammatik einer Sprache nennt sich auch Sprachlehre und befasst sich mit dem System und den Regeln einer Sprache: mit den Lauten, den Wortformen und dem Satzbau. Unterschiedliche Sprachen haben unterschiedliche Regeln.

Wussten Sie schon, dass…

  • …die deutsche Sprache drei verschiedene Artikel kennt? der, die und das, während…
  • …das Türkische wie auch die slawischen Sprachen (z.B. Russisch, Tschechisch) gar keine Artikel kennen?
  • …die englische Sprache nur einen einzigen bestimmten Artikel kennt, nämlich the, ebenso wie auch das Arabische?
  • …es im Deutschen vier Fälle gibt: den Nominativ, den Genitiv, den Dativ und den Akkusativ, während das Russische noch zwei weitere Fälle kennt, den Instrumental und den Präpositiv?

 

Der Fachbegriff für die Lehre von den Wortformen nennt sich Morphologie, der Fachbegriff für die Lehre des Satzbaus nennt sich Syntax. Wörter verändern ihre Form je nach gemeinter Personenanzahl, Zeitform und anderen Faktoren, die die Wortform beeinflussen. Sätze der deutschen Sprache unterliegen bestimmten Regeln, den Regeln des Satzbaus (also der Syntax) der deutschen Sprache. Wenn wir die Regeln nicht richtig beherrschen, bilden wir zwar grammatikalisch inkorrekte Sätze, werden aber hoffentlich trotzdem von unserem Umfeld verstanden. Ein grammatikalisch inkorrekter Satz kann aber auch zu Missverständnissen führen.

Dysgrammatismus bei Kindern betrifft auch Muttersprachler

Dysgrammatismus kann sowohl bei Kindern mit Deutsch als Muttersprache als auch bei Kindern mit einer anderen Muttersprache auftreten. Nicht-Muttersprachler haben oft Probleme damit, die vielen Regeln der deutschen Grammatik zu erlernen. Je älter sie sind, wenn sie damit beginnen, desto schwerer fällt es ihnen in der Regel. Ebenso beeinflusst natürlich auch ein angeborenes Sprachtalent unsere Fähigkeit, die eigene und andere Sprachen möglichst fehlerfrei zu beherrschen (biologische/genetische Anlage / Vererbung). Da der Mensch durch Nachahmung lernt, spielen beim Spracherwerb natürlich der Input und das Sprachvorbild der Bezugspersonen (Eltern, Erzieher, Lehrer, Freunde) eine wichtige Rolle. Neben Menschen, die keine Deutsch-Muttersprachler sind, gibt es ebenso Deutsch-Muttersprachler, denen die richtige Anwendung der deutschen Grammatik schwerfällt. Die Ursachen hierfür sind vielfältig:

  • ein frühkindlicher Hirnschaden
  • ein gestörtes Arbeitsgedächtnis (Kurzzeitgedächtnis)
  • geistige Beeinträchtigungen
  • ein Hörschaden
  • eine Konzentrationsschwäche
  • fehlerhafter Input von außen
  • mangelnde Sprachförderung
  • mangelndes sprachliches Talent

 

Gerade bei Nicht-Muttersprachlern ist oft schwer zu unterscheiden, ob wirklich ein Dysgrammatismus vorliegt oder lediglich (noch) nicht ausreichend Kontakt mit der deutschen Sprache stattgefunden hat. Unabhängig von der Ursache ist Sprachförderung wichtig und sinnvoll für die kindliche Entwicklung.

Mein Kind hat einen Dysgrammatismus - Wie kann ich helfen?

Intuitiv passen wir uns als Erwachsene meist von allein dem sprachlichen Niveau und der Sprechweise unseres Kindes an: wir verhalten uns intuitiv sprachfördernd. Wenn Sie als Eltern aber verunsichert sind oder Ihrem Kind noch bewusster helfen möchten, können Sie folgende Anregungen als Leitfaden nutzen:

  • fachliche Hilfe suchen: eine Kinderärzt:in kann Ihnen eine Verordnung für Logopädie ausstellen. Die Logopäd:in geht gemeinsam mit Ihnen auf Ursachenforschung für die sprachlichen Schwierigkeiten Ihres Kindes. Vereinbaren Sie hier einen Termin bei Palabra.
  • Achten Sie darauf, was ihr Kind sagt und nicht wie es etwas sagt. Ermahnen Sie Ihr Kind nicht, “langsamer” oder “jetzt noch mal richtig” zu sprechen. Damit hemmen Sie seine Sprechfreude.
  • Halten Sie Blickkontakt zu Ihrem Kind und widmen Sie Ihre Aufmerksamkeit ganz Ihrem Kind. Zeigen Sie Interesse an Ihrem Kind.
  • Orientieren Sie sich an der Aufmerksamkeit und den Interessen Ihres Kindes. Wofür sich Ihr Kind gerade interessiert, erkennen Sie daran, wo es seinen Blick hinwendet.
  • Nehmen Sie sich bewusst medienfreie (= handyfreie) Zeit für Ihr Kind.
  • Wiederholen Sie fehlerhafte Äußerungen Ihres Kindes in korrekter, erweiterter Form. Sagt Ihr Kind beispielsweise: “Mama, is (= ich) will die Ball!” könnten Sie antworten: “Ja, du willst den roten Ball haben. Der liegt da hinten auf der Wiese. Komm!” Korrigieren Sie indirekt, nicht direkt.
  • Kinder lernen neue Worte im Satz- und Sinnzusammenhang. Anstatt Gegenstände nur zu benennen, indem Sie z.B. auf einen Ball deuten und “Ball” sagen, könnten Sie sagen: “Dort liegt ein roter Ball. Wollen wir damit spielen? Schau mal, der Ball kann rollen, so!” Ihr Kind kann durch Ihre Äußerung seinen Wortschatz erweitern, es lernt etwas über die richtige Anwendung des Wortes in einem Satz und es lernt etwas über die Funktion des Balles: er hat eine Farbe, er kann liegen, aber auch rollen.
  • Sprechen Sie bewusst, langsam und deutlich.
  • Schauen Sie gemeinsam Bilderbücher an und lesen Sie Bücher vor, die Ihr Kind interessant findet. Ist die Geschichte noch deutlich zu schwer, so wird Ihr Kind das Interesse verlieren. Sie können die Geschichte dann eigenständig etwas abwandeln und vereinfachen.
  • Ermuntern Sie Ihr Kind zum eigenständigen Erzählen, ohne dass es das Gefühl hat, ausgefragt zu werden. Seien Sie ein aufmerksamer Zuhörer. Wenn Ihr Kind etwas erzählt, können Sie ihre Aufmerksamkeit dadurch zeigen, dass Sie Blickkontakt halten, zwischendurch nicken und das Gesagte manchmal wiederholen. Ihr Kind merkt dann, dass Sie es verstehen.
  • Fehlende Zeit und Aufmerksamkeit für Ihr Kind können nicht durch Medienkonsum oder viel Spielzeug ersetzt werden. Am wertvollsten sind ein geregelter Tagesablauf, aufmerksame, liebevolle Bezugspersonen und gemeinsame Zeit mit Ihrem Kind.

Photo by Jason Leung on Unsplash

Sprach-Quiz

Spricht mein Kind altersgerecht?

Oder persönliche
Beratung buchen
Button Link