Sprechapraxie

Von Hanna Dalitz (Akadem. Sprachtherapeutin)

Was ist das?

Bei einer Sprechapraxie sind die Bewegungsabläufe des Sprechens gestört. Im Säuglings- und Kleinkindalter speichert das Gehirn ab, welche Bewegungen Zunge, Lippen und Stimmbänder machen müssen, um eine bestimmte Silbe oder einen Laut zu erzeugen. Diese Bewegungen werden dann automatisiert, sodass ein gesunder Mensch im Alltag nicht überlegen muss, welche Bewegungen er zum Sprechen eines Wortes ausführen muss. Werden die Gehirnareale, in denen die Bewegungsmuster gespeichert sind, gestört (z B durch einen Schlaganafall oder ein Schädel-Hirn-Trauma), dann tritt eine Sprechapraxie auf. Der Sprecher weiß, was er sagen möchte, es werden aber nicht die korrekten Bewegungen dafür abgerufen. Dies ist nicht durch eine Lähmung oder Muskelschwäche verursacht, die Bewegung kann unabhängig vom Sprechen ausgeführt werden (d.h. der Betroffenen kann z B. die Lippen zusammenpressen, aber kein “p” mehr im Sprechen verwenden). Häufig treten parallel auch noch andere Störungen der Sprache, wie z.B. eine Aphasie auf.

Ab wann ist eine Behandlung sinnvoll?

Die Sprechapraxie ist für den Betroffenen sehr frustrierend, da er in seiner Kommunikation stark gestört ist. Das Mitteilen von Gedanken aber auch das Äußern von Grundbedürfnissen gelingt langsamer und ist häufig mühsam und von vielen Fehlern geprägt. Die Teilnahme an Gesprächen fordert daher viel Geduld von Betroffenen, aber auch von ihrem Gegenüber. Eine logopädische Behandlung ist darum immer empfehlenswert. Die besten Erfolge werden meist im ersten Jahr nach der Schädigung erreicht.

Was sind mögliche Symptome?

Bei einer Sprechapraxie treten viele “Versprecher” auf. Es werden falsche Laute verwendet (z B. “Hampe” statt “Lampe”) oder die Laute klingen so stark verändert, dass sie nicht erkennbar sind. Die Betroffenen müssen häufig mehrmals ansetzen, um ein Wort herauszubringen, sodass es manchmal einem Stottern ähneln kann. Manchmal wird auch ein ähnliches Wort gesagt (z B. “Falsche” statt “Flasche”). Bei manchen Betroffenen können Laute mit einer ähnlichen Bewegung (z B. b, p, m) oder auch einzelne Laute gar nicht mehr produziert werden. Insgesamt klingt das Sprechen mühsam, stockend und ohne Betonung.

Wie sieht die Behandlung aus?

Zuerst stellt der Therapeut in einer ausführlichen Diagnostik fest, welche Laute und welche Bewegungsmuster betroffen sind. Diese werden dann schrittweise wieder erarbeitet. Die Reihenfolge der Laute und die Methode werden dafür individuell auf den Patienten abgestimmt. Es wird meist mit kleinen Einheiten wie Silben begonnen und nach und nach in die Wörter und Sätze übergegangen. Parallel lernt der Patient sich selbst Bewegungshilfen zu geben oder über Gestik und Mimik zusätzlich zu kommunizieren. In schweren Fällen kann ein Talker (eine Art Tablet mit Sprachausgabe) helfen, um dem Betroffenen eine einfachere Kommunikation zu ermöglichen.