Myofunktionelle Störungen

Von Ingrid Heide (Logopädin)

Was ist das?

Eine myofunktionelle Störung ist eine Störung des Gleichgewichts der Sprechmuskulatur im Gesicht. Sie ist gekennzeichnet durch eine verringerte Wahrnehmung und Koordinationsfähigkeit der Lippen-, Zungen-, Wangen- und Kiefermuskulatur. Betroffene Kinder und Erwachsene haben häufig Probleme beim Schlucken und Sprechen.
Ein weiterer Hinweis auf eine myofunktionelle Störung ist eine veränderte Muskelspannung im und um den Mund herum. Diese kann entweder erhöht oder herabgesetzt sein. Zum Beispiel kann eine erhöhte Muskelspannung im Kieferbereich dazu führen, dass die Zähne sehr stark aufeinandergedrückt werden. Eine verringerte Muskelspannung hingegen macht sich oft durch einen unvollständigen Mundschluss bemerkbar, wodurch der untere Gesichtsbereich schlaff und ungespannt wirkt.

Ab wann ist eine Behandlung sinnvoll?

In vielen Fällen stellt der Zahnarzt oder Kieferorthopäde eine veränderte Zahnstellung fest, welche durch einen Zungenvorstoß gegen die Zähne ausgelöst worden ist. Der permanente Zungendruck gegen die Zähne führt langfristig zu Zahnfehlstellungen und kann häufig nur durch eine logopädische Therapie behoben werden. Wenn eine stark verminderte Lippenspannung eine Mundatmung auslöst, kann die Atemluft nicht mehr von der Nase befeuchtet und gereinigt werden. Häufige Infekte sind meistens die Folge. Auch hier ist eine Therapie angezeigt.

Was sind mögliche Symptome?

  • Mundatmung
  • Zungendruck gegen die Zähne
  • vermehrter Speichelfluss
  • Zähne knirschen
  • Zahnfehlstellungen
  • Fehlbildungen von Lauten
  • falsches Schluckmuster

Wie sieht die Behandlung aus?

Nach gründlicher Diagnosestellung ist das erste Therapieziel eine verbesserte orale Wahrnehmung. Die Patient:in kann z.B. spielerisch entdecken, wie sich ein sternenförmiges von einem runden Möhrenstück im Mund durch Ertasten mit der Zunge unterscheidet. Hat die Patient:in dafür ein Gefühl entwickelt, kann an einer verbesserten Koordination der Muskulatur gearbeitet werden. Zusätzlich erfolgen auch Übungen zur Kräftigung. Dafür eignen sich z.B. Puste- und Ansaugübungen.

Prävention

Myofunktionelle Störungen entstehen u.a. durch fehlerhafte Gewohnheiten, wie z.B. Daumen- oder Schnuller lutschen. Daher sollten Eltern darauf achten, den Gebrauch von Schnullern gut zu dosieren. “Es wird Eltern geraten, den Schnuller am besten nicht anzugewöhnen, anderenfalls so früh wie möglich abzugewöhnen. Spätestens, wenn das Kind zu sprechen beginnt (zwischen dem 7. und 12. Lebensmonat).” (Furtenbach, 2013)

Quellen

  • Besser Reden
  • Furtenbach, M. (2013). Prävention orofazialer Dysfunktionen im Spannungsfeld von Kieferorthopädie und Logopädie – Anregung zur vermehrten Zusammenarbeit. Thieme.