Mutismus

Von Nina Krüger (Logopädin)

Was ist das?

Mutismus ist eine Kommunikationsstörung.

Schweigen betroffene Menschen wiederkehrend in bestimmten Situationen (z.B. in der Kita oder der Schule) und/oder gegenüber bestimmten Personen (z.B. gegenüber allen, die nicht zum engsten Familienkreis gehören) nennt man das selektiven Mutismus.

Spricht der betroffene Mensch gar nicht, wird das totaler Mutismus genannt. Dieser tritt meist als Reaktion auf ein traumatisches Erlebnis auf und kommt eher selten vor.   

Menschen mit Mutismus haben i.d.R. eine intakte Sprech- und Hörfähigkeit. Trotzdem sprechen wir von einem Nicht-Sprechen-Können und niemals von einem Nicht-Sprechen-Wollen. Ein Mensch mit Mutismus sucht sich nicht aktiv aus, mit wem er wann oder wo nicht spricht.

Im familiären Umfeld wird häufig von einem überschießendem Kommunikationsverhalten berichtet, wohingegen die Kita beispielsweise feststellt, dass das Kind bisher mit niemandem spricht und auf direkte Ansprache sogar erstarrt.

Ab wann ist eine Behandlung sinnvoll?

Sobald das Nicht-Sprechen gegenüber bestimmten Personen und/oder in bestimmten Situationen länger andauert als 4 Wochen (8 Wochen bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern), ist es sinnvoll sich therapeutische Hilfe zu suchen (StillLeben Hannover e.V.).

Was sind mögliche Symptome?

Selektiver Mutismus wird seit 2019 als eigenständige Angststörung geführt.

Die Symptome für Mutismus sind nach ICD-10 codiert (F94.0, Link). Dort werden insbesondere folgende Symptome gelistet:

  • Obwohl das Kind über ein normales Sprachverständnis verfügt, spricht es in bestimmten Situationen nicht (bspw. in Gegenwart von Fremden, in der Schule oder Kita)
  • Das Kind verfügt über ausreichend sprachliche Kompetenz, welche es (meist im familiären Umfeld) zeigt.
  • Eltern können die Situationen, in denen das Kind nicht sprechen wird, vorhersagen


Das Verhalten tritt über einen längeren Zeitraum von mindestens einem Monat auf

Wie sieht die Behandlung aus?

Nach einer eingehenden und umfassenden Diagnostik wird behutsam Kontakt mit dem/der* Betroffenen aufgenommen. In vielen Fällen hat sich die Kontaktaufnahme über Humor und Leichtigkeit bewährt.

Insbesondere zu Beginn der Therapie sollte nicht zu viel gefordert werden, damit sich die Patientin/ der Patient nicht unter Druck gesetzt fühlt. Es gilt vorerst die nonverbalen Kommunikationsmöglichkeiten zu fördern, um dann immer komplexer werdende Satzstrukturen zu erarbeiten. Daneben spielt die Stärkung der eigenen Identität, aber auch die Arbeit mit allen beteiligten Systemen (Familie, Schule, Verein…) eine wichtige Rolle.