Hörtraining nach Cochlea-Implantat

Von Hanna Dalitz (Logopädin)

Was ist das?

Ein Cochlea Implantat ist ein Implantat, mit welchem auf einem ertaubten oder stark schwerhörigen Ohr wieder gehört werden kann. Schwerhörigkeit kann viele Ursachen haben: Sie kann angeboren sein, durch Erkrankungen oder Verletzungen des Ohres oder einen Hörsturz entstehen. Ob ein Cochlea Implantat helfen kann, hängt von der Ursache der Schwerhörigkeit ab.

Ab wann ist eine Behandlung sinnvoll?

Das Hören mit einem Cochlea Implantat ist (vor allem kurz nach der Implantation) nicht mit dem normalen Hören zu vergleichen. Über das Implantat können weniger Frequenzen wahrgenommen werden, Geräusche und vor allem die Sprache klingen dadurch erst verzerrt. Ein Hörbeispiel finden Sie hier. Das Gehirn muss lernen, diese Signale neu zu interpretieren und zu ergänzen, sodass das Verstehen von Sprache möglich wird. Eine Unterstützung durch die Logopädie ist daher immer Teil der Rehabilitation.

Was sind mögliche Symptome (von schwerhörigenden Kindern)?

Das Hörvermögen wird in Deutschland verpflichtend in den ersten Tagen nach der Geburt überprüft (Neugeborenen Hörscreening). Sollten hier Auffälligkeiten bestehen, werden die Eltern an einen Facharzt für Hören bei Kindern (Pädaudiologe) verwiesen. Auch im Säuglings- und Kleinkindalter können Eltern auf Anzeichen achten: Wendet sich das Kind zu einem Geräusch oder Sprecher, wenn es ihn nicht sieht? Nimmt es leise Geräusche wahr? Erschrickt es bei einem Knall? Beginnt es nach dem Brabbeln zu sprechen? Bei Zweifeln sollte immer ein Facharzt aufgesucht werden. Auch wenn das Kind große Schwierigkeiten mit dem Erwerb der Sprache hat, kann eine Schwerhörigkeit auf einem oder beiden Ohren vorliegen.

Wie sieht eine Behandlung aus?

Kinder

Ohne Hören kann ein Kind die Lautsprache nicht auf natürlichem Weg erlernen. In Deutschland wird daher möglichst früh ein Cochlea Implantat eingesetzt, wenn ein Kind beidseitig ertaubt ist – meist im Laufe des ersten Lebensjahres. Je früher eine Implantation erfolgt, umso kleiner ist der Rückstand in der Sprachentwicklung. Die Logopädie kann schon von klein auf die Kinder und Eltern unterstützen. Zu Beginn wird über Spiele die Freude am Hören, Sprache und der Umgebung geweckt. Im Verlauf der Zeit wird mit dem Kind geübt, Geräusche und Sprache zu unterscheiden, Tonhöhen und Tonlängen, zu erfassen, wobei der Fokus mit zunehmendem Alter immer mehr auf das Verstehen von Sprache und dem eigenen Sprechen gerückt wird. Jedes Kind hat hier seine eigenen Stärken und Schwächen, sodass die Sprachentwicklung – und damit auch die Therapie – sehr individuell sind.Die Logopädie begleitet die Kinder mit Cochlea Implantat und deren Eltern oft über einen längeren Weg bis ins Schulalter.


Erwachsene

Wird im Erwachsenenalter ein Cochlea Implantat eingesetzt, dann ist in den meisten Fällen die Sprache bereits erworben. Das Ziel in der Logopädie ist daher ein möglichst gutes Verstehen von Sprache mit dem Cochlea Implantat zu erreichen. Dafür wird mit einfachen Elementen begonnen, Übungen in denen z. Bsp. die Silbenanzahl erkannt werden muss oder ähnlich klingende Wörter (Haus – Maus) unterschieden werden müssen. Außerdem trainiert man Töne zu unterscheiden und Alltagsgeräusche wie z Bsp. Vogelzwitschern zu erkennen. Schrittweise wird die Schwierigkeit des Sprachverstehens gesteigert. Mit der Zeit wird dann auf die individuellen Anforderungen des Alltags angepasst geübt, z Bsp. Vorträgen besser folgen zu können oder das Telefonieren im beruflichen Alltag. Neben der logopädischen Therapie wird von den Hörakustikern immer wieder die Einstellung des Cochlea Implantat angepasst, um die Hörqualität zu steigern. In den ersten beiden Jahren nach der Implantation können die besten Ergebnisse erreicht werden, sodass intensives Üben neben der Therapie notwendig ist.