Erwachsene Stimmstörung

Von Eva Rolle (Atem, Sprech, und Stimmlehrerin)

Was ist das?

Eine Stimmstörung ist ein Problem mit der Stimme oder der Atmung.
Man könnte sich die Stimme wie ein Blasinstrument vorstellen. Es reicht vom Zwerchfell bis zu den Lippen. Die Lunge ist der Luftspeicherraum, das Zwerchfell der Motor. Hiermit wird die Luft in die Lunge gezogen und wieder abgegeben. Dies ist essenziell für die Tonerzeugung. Die Luftröhre ist das Rohr, in dem die Luft an die Stimmbänder befördert wird. Die Stimmbänder sind das Herzstück des Instruments. Hier entsteht der Ton. Sie sind auch besonders störungsanfällig. Das sogenannte Ansatzrohr darüber dient als Verstärker. Dieser Resonanzraum erstreckt sich bis zu den Lippen und dem Nasenausgang.
Die Ursache für eine Störung kann also an ganz vielen verschiedenen Bauteilen des Instruments liegen und dies herauszufinden, ist die Aufgabe eines Stimmtherapeuten/einer Stimmtherapeutin.
Eine Stimmstörung kann organische Ursachen haben, also Verletzungen durch Operationen, Veränderungen der Schleimhaut, wie Polypen, aber in sehr vielen Fällen ist es eine Technikfrage. Und am richtigen Gebrauch der Stimme und der Atmung arbeitet ein/eine StimmtherapeutIn mit Ihnen.

Ab wann ist eine Behandlung sinnvoll?

Stimmstörungen können ein ganz unterschiedliches Ausmaß haben. Therapierelevant werden sie, wenn sie den Betroffenen in seinem Alltag und Berufsleben sehr einschränken, wenn ein Einbruch der stimmlichen Belastbarkeit zu bemerken ist zum Beispiel nach länger andauernden Atemwegserkrankungen, nach Kehlkopfentzündungen oder nach Operationen. Eine Stimmstörung ist für Berufssprecher besonders belastend. Das betrifft ErzieherInnen, LehrerInnen, PfarrerInnen, TherapeutInnen, SchauspielerInnen und SängerInnen im beruflichen Kontext und sprecherische und sängerische Laien, die in ihrer Freizeit in Chören singen oder anderweitig sprecherisch aktiv sind. Auch bestimmte Erkrankungen haben Einfluss auf Atmung und Stimme, dazu zählen Asthma bronchiale, COPD, Covid19, M. Parkinson und manche Formen von Schlaganfällen.

Was sind mögliche Symptome?

Die Schwere einer Stimmstörung wird nach dem Heiserkeitsgrad beurteilt. Veränderungen, die hörbar sind, sind eine heisere, hauchige, dünne, kratzige, abbrechende, tonlose, resonanzarme oder knarrende Stimme, um nur einige Beschreibungen zu nennen.

Wie sieht die Behandlung aus?

Eine Stimmtherapie kann die Funktion der Stimme wieder herstellen oder bei chronischen Erkrankungen Linderung verschaffen durch viele praktische Übungen und Tipps rund um die Stimme. Nach einer Diagnostik zu Beginn der Therapie werden dann Übungen gemacht zur Kräftigung der Zwerchfellmuskulatur, zur Festigung der Bauchatmung, zur deutlichen Artikulation, zur Stimmpflege, zur Verbesserung des Tones und so weiter…
Stimmtherapie hat auch immer ein wenig mit “sich trauen zu singen und zu sprechen” zu tun. Viele Übungen sind lustig oder ungewöhnlich, aber dieses freie Umgehen mit der eigenen Stimme macht auch sehr viel Spaß und eröffnet neue Ausdrucksmöglichkeiten.

Prävention

Ich empfehle meinen PatientInnen, ein Hobby zu betreiben, wo sie sich mit ihrer Stimme einbringen können. Gehen Sie in Chöre, Theatergruppen, zu den Lektoren oder zum Vorlesetreff oder lesen Sie Ihren Kindern oder Enkeln vor. Das ist das beste Training für ihre Stimme.