Aussprachstörungen

Von Hanna Dalitz (Logopädin)

Was ist das?

Bei einer Aussprachestörung wird ein Laut nicht korrekt gebildet, d.h. die Zunge befindet sich nicht in der richtigen Position. Im Deutschen betrifft das vor allem die Laute /s/ (Sigmatismus) und /sch/(Schetismus), aber auch Laute wie /l/, /t/ oder /d/ können betroffen sein. Die Zunge drückt sich bei diesem Lauten entweder zwischen die Zähne oder gegen die Zähne und sodass die Laute undeutlich klingen. Umgangssprachlich wird die falsche Aussprache des /s/ auch “Lispeln” genannt.

Ab wann ist eine Behandlung sinnvoll?

Kinder bilden zu Beginn häufig Laute falsch, was im Rahmen der Sprachentwicklung ganz normal ist. Liegt jedoch zusätzlich noch eine schwache Mundmuskulatur vor oder ist die Koordination der Zunge nicht gut entwickelt (Myofunktionelle Störungen – hier könnte man vlt unseren Text dazu direkt verlinken)), verfestigen sich die falschen Bewegungsmuster. Unbehandelt bleiben diese Aussprachestörungen oft bis ins Erwachsenenalter bestehen. Manche Kinder entwickeln gerade im Schulalter einen hohen Leidensdruck (z B. Hänselei durch andere Kinder). Für manche Berufe (z B. Lehrer oder Moderatoren) ist eine fehlerfreie Artikulation Voraussetzung, daher kann auch eine Behandlung bei Erwachsenen erforderlich sein.

Was sind mögliche Symptome?

Durch die unsaubere Aussprache wird der Klang der Laute dumpf, brodelnd oder zischend. Bei einer stark ausgeprägten Störung können Kinder während des Sprechens auch unfreiwillig Spucken. Insgesamt ist der Betroffene schwerer zu verstehen.

Wie sieht die Behandlung aus?

Liegt die Ursache in der schwachen Mundmuskulatur, sodass die Zunge nicht richtig arbeiten kann, so wird diese zuerst behandelt. Die Artikulation wird dann verbessert, indem der richtige Bewegungsablauf geübt wird und dann schrittweise über Silben und Wörter in die Sprache übertragen wird. Für eine Aussprachetherapie ist eine gute Eigenwahrnehmung und Geduld notwendig, daher ist eine Behandlung in der Regel erst ab 6 Jahren sinnvoll.

Prävention

Kinder probieren die Beweglichkeit ihrer Zunge schon früh aus und trainieren damit die Muskulatur. Langes Schnullertragen kann zu einer schwachen Zunge führen, da die Zunge permanent auf den Mundboden gedrückt wird und dort unbeweglich bleibt. Über das Essen lernt das Kind später auch harte und zähe Nahrung im Mund zu sortieren und trainiert so seine Geschicklichkeit. Daher sollten auch Lebensmittel wie Apfel, Möhre und Fleisch altersgerecht hin und wieder am Stück angeboten werden. Obstschale und Brotrinde sollten nach Möglichkeit mitgegessen werden. Im Netz oder in Ratgebern können Eltern zahlreiche Anregungen zum spielerischen Fördern der Zunge finden, die in den Alltag und beim Essen eingebaut werden können.